Dienstag, 12. August 2003

Kailash - Ruhetag


Der heutige Tag ist ein Ruhe- und Akklimatisationstag.

Am Vormittag unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zur nahen Chiu Gompa und besichtigen das Kloster.

Der restliche Tag vergeht mit Schlafen, Lesen usw. am Ufer des Manasarovar See.

Montag, 11. August 2003

Kailash - Manasarovar


Den ganzen Vormittag sitzen wir schon in Purang fest und warten darauf, bis endlich alle Einreiseformalitäten erledigt sind...
Die Umgebung ist wunderschön, einige schneebedeckte Berge, wenige Wolken, kristallklare Luft – wir sind immerhin auf 3800m.
Purang selbst ist – auf den Punkt gebracht – ein chinesisches Dreckskaff am Arsch der Welt...

22:00
Ich liege hineingekuschelt in meine zwei Schlafsäcke + Isomatte und Thermofleece und lasse den Tag Revue passieren.

Draußen rüttelt ein eisiger Wind an den Zeltheringen, im Zelt wird es jetzt langsam warm.

Wenn ich den Vordereingang öffnen würde, würde ich direkt auf die vom Vollmondlicht gebadete Seeoberfläche des Manasarovar-Sees blicken.
Unser Lager befindet sich direkt am See unterhalb der Chiu-Gompa.

Um den See von Verunreinigungen zu schützen ist das Ufer mit zahlreichen Gebetsfahnen abgezäunt.
Schräg nach hinten geht der Blick in Richtung Chiu-Gompa und auf die Südseite des Kailash, der sich heute allerdings in Wolken hüllt.
Am See entlang nach rechts erblickt man das Massiv der Gurla Mandata.

Der heutige Tag war sicherlich einer der Höhepunkte unserer Reise.
Nachdem wir Purang gegen Mittag endlich verlassen konnten geht es Schlag auf Schlag:

Auf einer abenteuerlichen Schotterpiste, durch Flüsse, stetig an Höhe gewinnend.
Wir machen Halt in einem tibetischen Dorf, rechts die Gurla Mandata.
Dann über den Gurla La – Gebetsfahnen, Yakschädel mit eingeschnitzten Mantras, atemberaubende Aussicht.

Nach Überwindung des Passes eröffnet sich die unglaubliche Weite des Landes. Es ist mit Worten fast nicht zu beschreiben, welche Gefühle und Empfindungen auf mich einströmen, unglaubliches Staunen, ja Fassungslosigkeit, dann wieder tiefe Ergriffenheit wechseln sich ab. Die unglaubliche Weite und Schönheit des Landes nimmt einen sofort gefangen. Man fühlt ein großes Glücksgefühl und Zufriedenheit.
Ich gerate jetzt ins Schwärmen aber jeder Tibetreisende wird verstehen, was gemeint ist – insbesondere Besucher der Kailash-Region.

Wir erreichen zunächst den Raksastal an seinem Ostufer. Der See erscheint in einem sehr dunklen Blau – in den Wolken darüber lässt sich der weiße Kegel des Kailash erahnen. Kang Rinpoche gibt sich heute – ebenso wie die Gurla Mandata – wolkenverhüllt.

Wir fahren weiter auf die Landbrücke zwischen beiden Seen und haben traumhafte Ausblicke auf Manasarovar und Raksastal.
Der Manasarovar-See erscheint momentan in einem Türkis, wechselt aber im Laufe des Tages über Dunkelgrün, Blau bis fast Schwarz.

Wir fahren ein kurzes Stück gegen den Uhrzeigersinn das Seeufer entlang bis zum Kloster Truyo, wo wir unsere Mittagspause abhalten.

Hier am südlichen Kloster befindet sich auch der Badeplatz der Hindus und die Kopfwaschstelle der Tibeter. Ich steige zum sumpfigen Seeufer hinab und benetze meine Haare. Die paar Schritte zurück hinauf zum Kloster sind ganz schön anstrengend – immerhin befinden wir uns auf über 4500m.

Nach dem Mittagessen besichtigen wir die Gompa – leider dürfen wir nicht aufs Dach – und fahren dann unseren Weg zurück und weiter auf der Jeeppiste das Westufer des Sees entlang bis zur Gösul Gompa, die auf einem Felshang direkt am Seeufer klebt.

Mühsam steigen wir den steilen Pfad hinauf. Von oben hat man einen prachtvollen Ausblick auf den See und Kailash (heute in Wolken). Kesang, unser tibetischer Führer bittet einen Mönch, uns das Allerheiligste des Klosters aufzuschließen.
Es handelt sich um die Meditationshöhle des Klostergründers. Drinnen sieht es genau so aus, wie man sich ein tibetisches Kloster vorstellt: Butterlampen, Räucherwerk, prachtvolle Wandmalereien, Thankas und Statuen, Ritualgegenstände usw.
Der Mönch gießt uns heiliges Wasser in die Hände, ich gebe Mamsis Glücksdollar als Donation (ich finde, es ist der richtige Platz dafür).

Dann laufe ich schnell runter zum See – ich möchte nämlich im Manasarovar baden.
Das Seeufer ist hier steinig und es wird schnell tiefer – ideal.
Ich ziehe mich aus, laufe blitzschnell ins eiskalte Wasser, paddle ein bisschen herum, tauche unter und nehme einen kräftigen Schluck vom heiligen Wasser – dann bin ich auch schon wieder draußen. Während ich mich rasch abtrockne und wieder meine dicke Fleecejacke anziehe, ernte ich bewundernde Blicke und Gesten von unseren tibetischen Fahrern. Nach dem Bad fühle ich mich innerlich und äußerlich erfrischt und – einfach toll!

Wir fahren weiter, besichtigen noch den Ganga Chu (Kanal zwischen Manasarovar und Raksastal) mit heißer Quelle (Badehaus) und erreichen schließlich unser Lager am Seeufer unterhalb der Chiu Gompa.

Sonntag, 10. August 2003

Kailash - Nara La


Gut geschlafen.
Am Morgen geht es so weiter, wie es gestern geendet hat.

Mühsamer, kraftraubender, steiler Anstieg auf etwa 4200m -
dann geht es auf einmal besser.

Wir wandern an Sipsip vorbei in Richtung Nara La – Pass.
Es gibt hier einen in großen Serpentinen angelegten Weg, dazwischen aber zahlreiche „Abschneider“, die von den Nepali angelegt wurden.

Ich bleibe auf dem flacheren Weg, ein Teil der Gruppe nimmt den steileren Weg. Schließlich zeigt sich, dass der flache Weg den Berg in Bön-Richtung umrundet – im Endeffekt sparen wir uns den Pass und erreichen den „Normalweg“ auf 4300m wieder.

Abstieg über Geröllfelder, mehrere Hangquerungen mit Gegenverkehr bis auf 3700m.
Mittagspause und steiler Abstieg ins Karnali-Tal (wir haben ihn wieder).

Hier gibt’s eine Hängebrücke rüber nach Tibet.
Von hier furchtbar anstrengender und steiler Anstieg zum chinesischen Grenzposten – alle jammern.

Nach einer kurzen Handgepäckskontrolle durch die Rote Armee wird schließlich das gesamte Gepäck auf Jeeps und einen Lastwagen verladen und weiter geht’s bis Purang.

Die Landschaft ist gigantisch. Weite Fernsicht, klarer Himmel.
Unser Landcruiser quert mehrere Flüsse, die Straße oft nicht vorhanden, der Fahrer ist ok. Bis Purang herrscht Fotografier-Verbot.

In Purang werden wir in einem einfachen Gästehaus (Mehrbettzimmer) einquartiert.
Die Zollkontrolle erfolgt noch, Militär lässt noch auf sich warten...
Teatime in einem „gemütlichen“ muffigen Raum mit lauter Kailash-Bildern.

Beim Abendessen ist der Clubraum jedoch sehr gemütlich – gepolsterte Lehnstühle, lackierte Tische...
Es gibt heute Lamm.

Samstag, 9. August 2003

Kailash - Lhasa Bier und Coca-Tee


Heute geht es richtig los!

Gleich in der Früh steiler Anstieg zunächst über eine Hängebrücke und dann steil weiter teils über eine Geröllhalde dann wieder ein bisschen Felskletterei (weil wir falsch abgebogen sind) alles in allem ziemlich anstrengend, muss schon öfter Pause machen...

Schließlich kommen wir auf einen Pass bei 3400m, rasten und gehen auf der Hochebene weiter. Weiter geht’s auf 3600m und weiter, dazwischen machen wir eine gemütliche Mittagsrast. Ich nutze die Gelegenheit für ein Schläfchen.

Nach dem Essen fällt es den meisten ziemlich schwer, weiter zu gehen.

Es geht jetzt weiter auf 3600m und schließlich auf dem neu angelegten Weg stetig eine Biegung nach der anderen leicht ansteigend weiter.

Wir haben inzwischen eine Höhe zwischen 3700 und 3800m erreicht und jetzt macht mir das ganze schon ziemlich zu schaffen. Die Beine werden immer schwerer, man stolpert nur mehr so dahin, die Pausen erfolgen immer öfter, die Luft wird merklich dünner. Jede kleinste Steigung wird zur Plage. Ich falle zusammen mit ein paar anderen zurück und erreiche als letzter das Lager.

Ein paar Händler am Wegrand verkaufen bereits Lhasa Bier aus China – da schlagen wir natürlich zu – auch wenn ich die Flasche auch noch schleppen muss.

Buchstäblich mit letzten Kräften erreiche ich schließlich mit Matthias das heutige Lager auf beinahe 4000m!

Wenigstens stehen die Zelte schon.
Wolfgang bietet mir heißen Coca-Tee aus Südamerika an – inzwischen hat Paras mein Zelt fertig. Es ist auch schon empfindlich kalt hier oben.

Langsam richte ich mich – jede schnelle Bewegung ist zu anstrengend – dann krieche ich in meinen Schlafsack und ruhe mich erst mal bis zum Abendessen aus (Teatime wird heute gestrichen).

Zum Abendessen gibt es heute Spaghetti und Kuchen!

Dann rasch ins Zelt und ausruhen bis morgen – dann geht es über den Nara La – das wird ein Hammer. Die Höhe hab ich wohl unterschätzt, obwohl es heute glaub ich vorwiegend ein Konditionsproblem war – immerhin waren wir fast 7 Stunden unterwegs.

Die Kopfschmerzen, die bei erreichen des Lagers auftraten sind ohne Therapie wieder verschwunden.

Freitag, 8. August 2003

Kailash - Schluchten des Karnali


Zum Frühstück esse ich nur Müsli und ein halbes Gemüseomelett, dann geht es los.

Die erste halbe Stunde ist schlimm.
Die Beine scheinen tonnenschwer zu sein - aber dann geht es langsam.

Wir wandern weiter durch die Schluchten des Karnali, durch ein kleines Dorf...
Der Weg wurde neu angelegt – man erspart sich jetzt einen ca. 3500m hohen Pass. Der Weg geht immer wieder bergauf und bergab am Fluss entlang (zwischen 2800 und 2900 Höhenmeter). Steile Felspassagen mit herausgeschlagenen Stufen wechseln sich mit Hangquerungen, Geröllfeldern usw. ab.
Es gibt immer noch Bäume. In der Tiefe fließt der reißende Karnali vorbei – einmal ausrutschen und es ist vorbei...
Ich halte mich vorsichtshalber hangseitig, zumal wir reichlich Gegenverkehr haben.

Zahlreiche Ziegenherden kommen uns entgegen. Die Ziegen (und Schafe) transportieren Reis in kleinen Säcken auf ihren Rücken. Weiters kommen uns einige Lastpferde oder Mulis sowie Karawanen mit Dzos als Tragtieren entgegen (Dzo = Kreuzung zwischen Yak und Rind).
Viele Leute wollen wissen, wohin wir reisen. Ein Ziegenhirte wird etwas dreist. Er möchte unbedingt einen meiner Teleskopstöcke haben und lässt ihn nicht mehr los – aber ich bin stärker.

Schließlich geht der Pfad direkt am Fluss entlang. Wir machen kurze Rast.

Danach geht es steil bergauf. Wir reihen uns in eine Karawane mit Dzos ein.
Die Nepalifrauen (oder bereits Tibeterinnen) drehen sich ständig kichernd zu uns um und zeigen ihre betelnussgefärbten Zähne. Sie tragen schon lange geflochtene Zöpfe und Schmuck – lassen sich natürlich gerne fotografieren.

Hier kommen uns auch die ersten hinduistischen Pilger am Rückweg vom Kailash entgegen. Sie wirken völlig „erleuchtet“ mit strahlenden Augen und Lächeln. Unser freundliches „Namaste“ wird lächelnd erwidert. Als sie hören, dass wir ebenfalls zum heiligen Berg unterwegs sind, sind sie begeistert.

Wir überqueren schließlich den Karnali über eine Hängebrücke (habe etwas Angst, das Ding schaukelt ganz schön, darunter der reißende Fluss)
Am anderen Ufer gleich unterhalb von Muchu haben unsere Sherpas schon das Mittagslager vorbereitet – der Lagerplatz liegt interessanterweise inmitten eines Marihuanafeldes. Es gibt Kartoffelauflauf, Würste, Fladenbrot.

Der steile Anstieg nach Muchu kostet einige Reserven, dabei liegt es nur auf knapp 3000m. Wie soll das nur weitergehen? Übermorgen sollen wir über den Nara La (4600m)!

Es geht leicht ansteigend weiter. Marillenbäume, Wacholdersträucher. Der Weg ist von Steinmauern gesäumt. Die Vegetation wird zunehmend weniger.
Dann geht es wieder bergab. Wir queren einen kleinen Bach um gleich wieder anzusteigen.

Heute verlassen wir das Karnali-Tal. Der Fluss, der uns seit Beginn der Tour begleitet hat, macht hier eine scharfe Kurve.
Wir queren einen hier einmündenden Nebenfluss, gehen noch ein Stück weiter und erreichen einen wunderschönen ebenen (eigentlich sind es zwei Ebenen) Lagerplatz direkt am Fluss. Wir befinden uns auf ca. 3020m.

Nutze die Gelegenheit zum Wäsche waschen – wozu habe ich meine Faltschüssel schließlich mit?

Donnerstag, 7. August 2003

Kailash - Humla


um 6 Uhr Morning Tea
Die Jungs von Thamserku-Trekking sind wirklich auf Zack.
Nach dem Frühstück haben sie bereits das halbe Lager abgebaut.

Nun geht es langsam ansteigend vom Lagerplatz auf 2750m los weiter ins Humla-Karnali Tal – an den Hängen terrassenartige Felder. Dann geht es durch Föhrenwälder bis zum ersten Pass auf 3050m.
Hier sehe ich auch meine erste Manimauer.

Kurze Pause.
Bin zusammen mit Franz als Erster angekommen, kurz darauf kommt unser Guide und der Rest der Gruppe innerhalb einer halben Stunde – Tobias nach wie vor auf dem Muli (ist seit Beginn der Tour krank)

Vom Pass geht es steil hinunter auf ca. 2800m.

Das Mittagslager wird bei einer Hängebrücke am Fluss aufgeschlagen.
Endlich können wir uns mal richtig von Kopf bis Fuß waschen! Das Wasser ist zwar eiskalt aber super!

Mittagessen: Thunfischsalat, Gemüse, Fladenbrot

Danach geht es steil bergauf – ziemlich anstrengend – und dann weiter bis nach Yalbang (über 3000m).

Wir besichtigen zunächst das Nyinapa-Kloster.
Können gerade eine Gebetszeremonie mitverfolgen.
Nach der Besichtigung ist das Lager unterhalb des Klosters bereits aufgebaut.
Beim Kloster oben zeigten uns zum ersten Mal einige Frauen auf tibetische Art die Zunge – d.h. ich spreche mit reiner Zunge oder so ähnlich.

Zum Abendessen gibt es Curry mit Trockenfleisch, Nudeln, Gemüse, Tomatensauce und Käse.

In der Nacht schlafe ich nicht besonders gut, muss zweimal raus – und fühle mich in der Früh wie gerädert...

Mittwoch, 6. August 2003

Kailash - Maoisten!


Nach dem Aufstehen Ein- und Umpacken des Seesacks
(Katzenwäsche findet später dann in einem Gebirgsbach statt!)

Nach dem Frühstück (Palatschinken, Omelett, Müesli) Abmarsch in Richtung Kermi.

Es geht auf einer wildromantischen Strecke vorbei an Reisfeldern und kleinen Dörfern, die irgendwie am Berghang kleben, ins Tal des Karnali.
Durch steile Schluchten, der Weg wurde aus den Felsen herausgesprengt – in der Tiefe der Fluss, Wasserfälle.
Einmal kommt uns eine ganze Ziegenherde in die Quere – wir wandern hinterher.

Mittagspause auf 2600m auf dem Flachdach eines Hauses oberhalb des Flusses.
Während von den Sherpas gekocht wird schreibe ich mein Tagebuch und ruhe mich aus – heißen Saft haben sie uns schon serviert!

Nun erhalten wir doch noch einen Besuch von den Maoisten. Sie sind sehr höflich und verlangen einen Wegzoll von 100 USD pro Person. Ist eine Art Schutzgeld – sonst würden sie wahrscheinlich unsere Träger verjagen...
Barbara handelt den Preis auf 60 Dollar herunter – immerhin noch immer 900 USD für die ganze Gruppe.
Damit sind sie zufrieden, wir bekommen eine Quittung der „People’s Party of Nepal“ und die Maoisten verabschieden sich höflich und verschwinden wieder.

Mittagessen ist wieder gut und reichlich:
Fladenbrot, dazu eine Art Kartoffeleintopf mit Zwiebel, Rosinen, Cashewkernen...
sehr gut! Dosenfleisch und Käse.

Danach wandern wir weiter zum heutigen Zeltplatz in der Nähe von Kermi. Dieser muss erst „gerodet“ werden, aber innerhalb kürzester Zeit ist alles erledigt.
Dicht an dicht stehen die Zelte auf der kleinen Wiese rund um unser Esszelt.

Kaum ist alles im Zelt verstaut, beginnt es auch schon zu regnen – wie berechnet.
Zum Abendessen gibt’s Gemüsepizza.